SUCHMASCHINE LÄUFT / WORKS ON PAPER

In der Exhibeo Galerie werden vom 1.September bis 9. Oktober 2012 neue Arbeiten der in Berlin lebenden brasilianischen Künstlerin Isabelle Borges gezeigt.

Isabelle Borges ist in Salvador de Bahia geboren, sie studierte in Rio de Janeiro, an der Escola de Artes Visuais do Parque Lage bei u. a. Beatriz Milhazes und an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Prof. Christian Megert.
Die Künstlerin, die bisher als Malerin, mit teilweise sehr großformatigen Arbeiten in Öl, oder Mischtechnik auf Leinwand, in Erscheinung getreten ist, zeigt in dieser Ausstellung zum ersten Mal ausschließlich Arbeiten auf Papier. Diese Zeichnungen und Kollagen waren anfangs vor allem als Vorstudien für ihre Bilder gedacht, um bestimmte abstrahierende Motive, in der Regel, einfache geometrische Grundformen, linear und als gestaltete Flächen erarbeitet, besser auf der Leinwand organisieren zu können. Ab einem bestimmten Punkt war klar, dass diese Papierarbeiten für sich selbst stehen wollen, mit ganz eigenen, von der Malerei unabhängigen Fragen und Lösungswegen. Diese sind nun nicht mehr nur Vorarbeiten, sondern stehen in einer aktiven Symbiose zu ihrer Malerei. Das System welches ihrem Bildvokabular zugrunde liegt, entstammt zumeist Skizzen nach der Natur. Hauptaugenmerk dabei sind Spannungsverhältnisse und Zwischenräume, die Beschreibung der Verhältnismäßigkeiten der Dinge zueinander.

Die generelle Suche nach Vereinfachung der Arbeitsschritte, in den Zeichnungen, bedeutet für Isabelle Borges eine komplexe, Beschleunigung des visuellen Denkprozesses. Aus dieser Möglichkeit vitalisierend-permanenten Outputs entnimmt die Künstlerin die Idee einer fiktiven Suchmaschine.
Die Suche die stattfindet geht darum, wie sich Raum (hier der 2-dimensionale Bildraum als Modell) beschreiben lässt. Wichtig sind ja Körper, die im Raum ihren Standort finden um diesen dann verlassen zu können als Information in Zeit. In dieser Bewegung wird Räumlichkeit erfahrbar. Die Dynamik, der Formen, die durch Linien wie auch durch die Flächenkonstellationen beschrieben wird, sind das Hauptmotiv des Strebens der Künstlerin. Linien zeigen sich trennend, raumgreifend, ordnend, die Flächen sind die Träger von Volumen, Struktur, Stofflichkeit und Farbe, mit ihrer jeweiligen Temperatur.

Das bewusste Spannungsfeld in dem sich Isabelle Borges, in ihrer Arbeit, bewegt, besteht in der Subtilität, ja in der Unmöglichkeit, einer wenn auch nur bruchstückhaften Darstellung eines dramatischen, wissenschaftlichen, sich permanent drehenden und gefalteten Raumes, in einer minimalistischen Ästhetik , sprich in einer konzentrierten Form, des absolut Notwendigen und Wahren. In vielen Arbeiten werden verschiedene Papiermaterialien, unterschiedlicher Tönungen und Oberflächentexturen als Kollageelemente eingesetzt. Auch diese Mittel sind betont einfache, für den Betrachter durchschaubare Mittel, um komplexe räumliche Schichtungen und Formzusammenhänge darzustellen.

Zwischen all dieser transzendenten Geometrie, lässt die Künstlerin kleine Bildstörungen einfließen. Hier und da ein Buchstabe oder eine Zahl, die dekorativ durchs Bild huscht, Wörter, oder Fragmente von Wörtern, manchmal halbe Sätze, wie bei einer Bild, oder Tonstörung. Irgendwie Zeichen unserer Welt der klaren und deutlichen Informationen, Fragmentierungen eines historischen, kulturellen Raumes, die in diesem hier beschriebenen Kontext, eher nicht mehr von Gewicht sind, sondern Reste einer Zeitzone die wir beim Eintauchen in Isabelle Borges Bildwelten, im Begriff sind, diese zu verlassen.

Die Wände der Ausstellung `Suchmaschine läuft´ sind als eine Art Matrix dargestellt. Ein Rastersystem aus Rechtecken, in einem warmen hellen Grauton, getrennt und geordnet in weißen Linien. In diesem Raster sind unregelmäßig, scheinbar willkürlich, die weiß gerahmten Bilder, über die ganze Wand, in Länge und Höhe verteilt, zu sehen. Quasi als ein kurzes Aufleuchten, zwischen blinden Feldern.

Wir erkennen stückweise ...

Jens Hausmann 2012